Hallenbad Rhein-Selz
Das alte Hallenbad und seine Geschichte

Das alte Hallenbad und seine Geschichte

Das Hallenbad in Oppenheim, bekannt als „Opptimare“, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1974 war es über Jahrzehnte hinweg ein zentraler Ort für Freizeit, Sport und Schwimmunterricht in der Region Rhein-Selz. Doch die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen, und das einst beliebte Bad musste im September 2020 aus Sicherheitsgründen endgültig geschlossen werden, nachdem es bereits seit März 2020 wegen Corona zu war.

Die Schwimmhalle mit den fünf 25-Meter-Bahnen, Spungturm und Sprungbrett. (Foto: Andreas Lerg)
Die Schwimmhalle mit den fünf 25-Meter-Bahnen, Spungturm und Sprungbrett. (Foto: Andreas Lerg)

Die Anfänge und Bedeutung des Hallenbads

Das Oppenheimer Hallenbad wurde in den 1970er-Jahren gebaut, um den steigenden Bedarf an Schwimmmöglichkeiten für Schulen, Vereine und Freizeitschwimmer zu decken. Der Baubeginn erfolgte noch unter der Regie der Stadt Oppenheim und des damaligen Bürgermeisters Ernst Delorme. Aber bald schon wurde das Bad in die Trägerschaft der Verbandsgemeinde Nierstein-Oppenheim übertragen. Mit einem 25-Meter-Becken, fünf Bahnen, einem Sprungbrett, einem 3-Meter-Turm sowie einem Multifunktionsbecken mit Hubboden bot es vielseitige Nutzungsmöglichkeiten. Ergänzt wurde das Angebot durch eine Sauna und ein Bistro. Es war nicht nur ein Ort für sportliche Aktivitäten, sondern auch ein Treffpunkt für die Gemeinschaft.

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Das Ausbildungsmaterial liegt bereit, die Schwimmkurskinder können kommen. Vereine wie die DLRG Oppeneim aber auch das Personal im Hallenbad selbst führte regelmäßig Schwimmkurse für Kinder durch. (Foto: Andreas Lerg)

Der Verfall und die Schließung

Nach fast fünf Jahrzehnten Betrieb verschlechterte sich der bauliche Zustand des Bades zunehmend. Im März 2020 wurde das Bad wegen der aufbrandenen Corona-Pandemie zunächst aus eben diesem Grund geschlossen. Über den Sommer wurde die Zwangspause für Schönheitsreparaturen und Ähnliches genutzt. Auch Baugutachter wurden bestellt, um die Gelegenheit zu nutzen und den Zustand des Gebäudes zu bewerten. Und so kam es dazu, dass im September des Jahres 2020 vor allem zwei von drei Gutachten zu dem Schluss führten, dass das Bad einsturzgefährdet ist und nicht mehr genutzt werden darf.

Eine Gutachten ergab, dass eine Sanierung des über 45 Jahre alten Bades wirtschaftlich nicht tragbar sei. Probleme wie ein marodes und nicht mehr voll tragfähiges Dach und andere strukturelle, statische Mängel machten eine Schließung unvermeidlich. Seitdem steht das Gebäude leer und wird regelmäßig Opfer von Vandalismus.

Die Gutachten

Das Gutachten von Dipl.-Ing. (FH) Oliver Raabe befasst sich mit der Dachtragschale des Hallenbads Oppenheim, das 1974 errichtet wurde. Es handelt sich um ein Warmdach mit Stahltrapezprofilen, das vor etwa zehn Jahren saniert wurde. Im Rahmen einer Ortsbesichtigung und der Analyse vorliegender Unterlagen wurden zahlreiche Mängel festgestellt, die die Tragfähigkeit und Funktionalität der Dachkonstruktion beeinträchtigen.

Die Notentwässerung ist unzureichend dimensioniert, falsch positioniert und teilweise so hoch angeordnet, dass erhebliche Wasserlasten entstehen können, bevor sie wirksam wird. Dies birgt ein hohes Risiko für die Tragfähigkeit der Konstruktion. Die Stahltrapezprofile zeigen insbesondere an den Rändern und Auflagerbereichen Korrosionsschäden bis hin zur Durchrostung. Zudem gibt es zahlreiche unkontrollierte Durchdringungen durch Abhängungen für Elektro- und Lüftungstechnik, die die Profile schwächen und Kondensation begünstigen. Diese führt zu weiteren Schäden an der Dachabdichtung und Dämmung.

Das Gutachten empfiehlt eine umfassende statische Untersuchung des Ist-Zustands der Trapezprofile unter Berücksichtigung der zusätzlichen Lasten durch Abhängungen. Zudem sollten die Entwässerungssysteme neu geplant und ertüchtigt werden. Für eine kurzfristige Nutzung von maximal fünf bis zehn Jahren sind regelmäßige Kontrollen kritischer Stellen erforderlich. Ohne umfassende Sanierungsmaßnahmen ist die langfristige Nutzung des Hallenbads nicht gewährleistet.

Das Holzabfelgutachten kam zu folgenden Feststellungen: Das Gutachten von Dipl.-Ingenieur Walter Holzapfel untersucht die Flachdachkonstruktion des Hallenbads Oppenheim, das 1970 in Leicht- und Ständerbauweise errichtet wurde. Trotz einer Dachsanierung vor etwa zehn Jahren bestehen erhebliche Mängel, darunter Wassereinlagerungen in der Dämmschicht und ein Wasserschaden an der Außenwand. Die tragenden Dachdecken aus verzinkten Stahltrapezprofilen sind für ein Schwimmbad ungeeignet, da sie nicht ausreichend korrosionsfest sind. Die Schutzbeschichtungen sind weitgehend zerstört, und Korrosion wurde festgestellt.

Die Abdichtung des Daches weist gravierende Defizite auf, wie luftoffene Randabschlüsse und unzureichend verklebte Dampfsperrfolien. Dadurch kann Feuchtigkeit eindringen, die die Korrosion der Stahltrapezprofile beschleunigt. Auch die Notentwässerung ist unzureichend dimensioniert und falsch positioniert, was bei Rückstau oder Vereisung zu einem Einsturz der Dachdecke führen könnte. Weitere Mängel betreffen die Attikaanschlüsse, die nicht luftdicht ausgeführt sind, sowie abgehängte Deckenbekleidungen aus Aluminium, die Beschädigungen aufweisen.

Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die Dachkonstruktion nicht instandsetzungsfähig ist und ein vollständiger Rückbau erforderlich ist. Empfohlen wird der Ersatz durch eine neue Dachdecke aus fluoridbeschichteten Stahltrapezprofilen sowie eine Abdichtung mit hochsperrender Dampfsperrschicht und dauerhaft luftdichten Abschlüssen. Zudem sollten die Entwässerungssysteme überarbeitet und neu dimensioniert werden. Diese Maßnahmen sind notwendig, um die Sicherheit und Funktionalität des Gebäudes langfristig zu gewährleisten.

Das dritte Gutachten der Krieger Architekten & Ingenieure befasste sich mit dem Zustand der Dachdämmung. Das Gutachten stellte eine Durchfeuchtung der Vorhandenen Dämmung fest und empfahl mittelfristig eine Sanierung. Mir der Tragfähigkeit des Daches oder der Bausubstanz befasste es sich nicht und ist als Grund für die Schließung des Bades daher wenig relevant.

Die Konsequenzen der Schließung

Die Schließung hatte weitreichende Konsequenzen: Schulen mussten, sofern überhaupt möglich, auf andere Schwimmbäder ausweichen, Vereine verloren ihre Trainingsstätten, und die Bevölkerung hatte keine lokale Schwimmsportstätte mehr und musste längere Wege in Kauf nehmen, um schwimmen zu können. Im Sommer steht das Freibad in Gimbsheim zur Verfügung. Im Winter aber sind die nächsten Hallenbäder mindestens 25 Kilometer weit weg.

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Der Südwestfunk berichtet im Jahr 2020 über die endgültige Schließung des Hallenbades und spricht hier mit der VG-Beigeordneten Gabriele Wagner. (Foto: Andreas Lerg)

Die Zukunft: Ein modernes Hallenbad

Die Verbandsgemeinde Rhein-Selz entschied sich nach intensiven Diskussionen für einen Neubau. Das neue Hallenbad soll nicht nur moderner und energieeffizienter sein, sondern auch mehr Wasserfläche bieten – etwa 80 % mehr als das alte Bad. Geplant sind ein großes Schwimmbecken mit sechs 25 Meter langen Bahnen, ein Lehrschwimmbecken, ein Kleinkindbereich sowie Sprungmöglichkeiten mit einem Ein-Meter-Brett und einem Drei-Meter-Turm.

Besonders hervorzuheben ist die innovative Energieversorgung des neuen Bades: Es wird nahezu energieautark betrieben, unter anderem durch Photovoltaikanlagen, Erdwärme und Wasserstofftechnologie. Damit setzt das Projekt Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit. Gebaut und betrieben wird diese Technik von der Energiedienstleistungsgesellschaft Rheinhessen-Nahe GmbH.

Herausforderungen und Perspektiven

Trotz der ambitionierten Pläne ist der Weg zum neuen Hallenbad nicht ohne Hürden. Finanzierungsprobleme und Verzögerungen im Bauprozess stellen die Verantwortlichen vor Herausforderungen. Dennoch wird das Projekt als „Leuchtturmprojekt“ gesehen, das die Attraktivität der Region steigern soll.

Das neue Hallenbad wird nicht nur den Bedarf an Schwimmmöglichkeiten decken, sondern auch als Vorbild für nachhaltige Bauweise dienen. Es ist eine Investition in die Zukunft der Region Rhein-Selz – sowohl ökologisch als auch sozial.


Die Geschichte des Oppenheimer Hallenbads zeigt eindrucksvoll, wie sich gesellschaftliche Bedürfnisse und technische Möglichkeiten im Laufe der Zeit verändern. Mit dem geplanten Neubau wird dieser wichtige Ort für Sport und Freizeit wiederbelebt – moderner, nachhaltiger und zukunftsorientiert.